Mein Geburtsbericht

Erstmal vorweg, das hier ist mein Tatsachenbericht. Das heisst nicht, dass ich alles richtig gemacht habe! Gerade unter Müttern gibt es ja einige Moralapostel und denen will ich sagen: es ist so passiert, lebt damit! 😉

Die Püppi ist ein Wunschkind. Und wenn wir uns das Geschlecht hätten aussuchen können, dann wäre es auch ein Mädchen gewesen. Einer der wenigen Punkte, wo mein Mann und ich einer Meinung sind. Das heisst aber nicht, dass wir einen Jungen nicht genauso lieben würden!

Sie wird nächste Woche 1 Jahr alt und ich habe die letzten Tage oft überlegt, ob ich die Erfahrung, die ich vor einem Jahr gemacht habe, auch mal aufschreiben soll.

Über meine Schwangerschaft gibt es eigentlich nichts besonderes zu berichten, die war total unkompliziert und “langweilig”. Keine morgentliche Übelkeit, keine grossartigen Schmerzen, keine Schwangershaftsstreifen, kein 4D-Ultraschall (Madame war im Bauch sehr rebellisch, tat nie das, was sie sollte), keine explodierten Brüste. Das einzig erwähnenswerte wäre vielleicht, dass sie auch im Bauch schon sehr aktiv war. Und das ist sie bis heute. Ich vermisse aber die Zeit, wo mir jeden Abend der Bauch mit Öl eingerieben wurde und den Anblick, wenn mein Mann die Katzenklos sauber machen musste (er drohte mit Trennung, wenn ich ihn mit seinem Mundschutz und den Einmalhandschuhen fotografiert hätte!).

Ausgerechnet war der 23.7. als Geburtstermin. Dies sorgte schon im Vorfeld für Spannungen in der Familie, weil dieses Datum bereits mit einem anderen Geburtstag belegt war. Liebe B., ich möchte an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, wie entgegenkommend die Püppi war und dass das doch mindestens 10x babysitten wert ist!? 😉

Am 1.7.2014 stand mein Mann morgens ganz normal auf, um sich für die Arbeit fertig zu machen. Ich war auch wach, winkte ihm zum Abschied und da ich nicht sofort einschlafen konnte, schaute ich eine Folge Ghost Whisperer im Bett. Zum Glück wurde ich schnell wieder müde und schlummerte noch vor ende der Folge davon. Um 10:42 Uhr wurde ich wach und verspürte den Drang die Toilette besuchen zu wollen. Joa, erstmal wach werden…Hmm, moment, das ist aber irgendwie anders, öh öh, nee, “schnell” auf die Toilette. Ich fühlte mich kurz wie eine alte Frau, da ich das Wasser kaum halten konnte. Da sass ich nun auf Klo, mutterseelenalleine und überlegte, was ich tun soll. Das konnte doch nicht die Fruchtblase sein!? Ich hatte doch noch 3 Wochen Urlaub!?!?!? Wen rufe ich denn jetzt an? Frauenarzt, Hebamme oder Krankenhaus? Ich entschied mich für meine Frauenärztin. Ich schilderte meine Situation, sie meinte, es könne auch eine Blasenentzündung sein, wie schnell ich denn da sein könne. “Mit anziehen und Katzen füttern so ca. 15 Minunten” sagte ich ihr. Das tat ich dann auch. Auf dem Weg zur Tür fiel mir meine Kliniktasche ein, die ich dann auch mal vorsichtshalber mitnahm. Ich holte mein Auto aus der Garage, winkte meinem Nachbarn zu und fuhr zur Frauenärztin.

Ich schrieb meiner besten Freundin und 2 anderen Freundinnen (mit denen ich zu dieser Zeit täglich in Kontakt war) eine kurze Nachricht. Mann und den Rest der Familie wollte ich noch nicht unnötig aus dem Häuschen bringen; zu diesem Zeitpunkt redete ich mir noch ein, dass es falscher Alarm war… Jetzt saß ich also bei meiner Ärztin. Die schaute mich an, lachte und sagte, dass sie gar nicht testen bräuchte, das ist eindeutig die Fruchtblase. Ich fragte kurz, ob das denn schlimm sei, weil es ja 3 Wochen zu früh sei, aber sie beruhigte mich, drückte mich und wünschte mir alles Gute. Auf dem Weg zum Auto rief ich meinen Mann an, dass es los geht (und ich meine, ich schrieb meiner Mutter eine Nachricht, aber das weiss ich nicht mehr so genau) und fuhr ins Krankenhaus.

Ich ging zur Station, schilderte meine Situation und wurde direkt in den Kreißsaal geordert. Die genaue Uhrzeit weiss ich nicht mehr, aber das muss so um die Mittagszeit gewesen sein. Dort wurde dann erstmal das CTG geschrieben und ich saß/lag dort gefühlte Stunden. Zwischenzeitlich kam auch der Mann und ich war zumindest nicht mehr alleine. Bis zu diesem Zeitpunkt war alles wie vorher. Ich hatte keinerlei Schmerzen, Muttermund zeigte auch noch keine Aufregung. Es wurde also ein Bett für mich fertig gemacht und ich konnte erstmal mein Zimmer für die nächsten Tage beziehen. Schnell noch die Oma angerufen und beteuert, dass alles gut ist und sie sich keine Sorgen machen braucht! Mir wurde gesagt, dass erstmal abgewartet wird. Sollte ich bis zum nächsten Morgen keine Wehen haben, dann würden sie einleiten.

Einleiten, neben PDA mein persönliches Horrorwort! Ich hatte mich während der Schwangerschaft auf meine Ärztin/Hebamme verlassen und nicht groß rumgelesen, weil ich mich einfach nicht verrückt machen wollte. Aber ich bekam trotzdem mit, dass bei einer Einleitung die Wehen schlimmer sein sollten, als normal. Find ich doof!! Das hatte ich für mich schnell beschlossen. Und Diese Spritze ins Rückenmark? BAAAHHH!!!! Find ich noch doofer!!

Na ja, ich begrüsste meine Zimmergenossin (die es schon hinter sich hatte) und richtete meinen Schlafplatz mit Baustellenausblick ein. Kurze Zeit später kam meine Schwiegermutter mit Großeinkauf. Mir war eingefallen, dass ich bei der ganzen “Aufregung” total vergessen hatte zu essen und zu trinken. Wir plauderten noch eine ganze Weile, bis Schwiegermama wieder weg musste. Meinen Mann schickte ich kurz darauf auch nach Hause. Es passierte eh nichts und sonderlich spannend war es im Krankenhaus jetzt auch nicht. Kurz nachdem er weg war, wurde ein neues CTG geschrieben. Da merkte ich zum ersten mal ein leichtes ziehen im Bauch. Ok, dachte ich, dann kommen jetzt wenigstens schonmal Wehen. Im Geburtsvorbereitungskurs hatte ich gelernt, dass es erst ernst wird, wenn man bei einer Wehe nicht mehr klar denken oder sprechen kann. Das war dann so gegen ende des CTG der Fall. Hebamme informiert, kurzer prüfender Blick, Muttermund geöffnet, also ab in den Kreißsaal. Ich zog schnell meinen Morgenmantel (extra fürs Krankenhaus gekauft) an und schleppte mich zum Kreißsaal. Da fing ich schon an wegzuatmen. Mann angerufen, dass er wieder kommen kann, der war so ca. ne Stunde zu Hause.

Ab diesem Zeitpunkt hab ich kein Zeitgefühl mehr. Ich glaube, ich bin so zw. 18 Uhr und 19 Uhr in den Kreißsaal gekommen. Da wurde alles notwendige durchgeführt (die Mütter wissen, was ich meine) und ich konzentrierte mich darauf, wie Wehen wegzuatmen und nicht zu verkrampfen. Ich beschreibe die Wehen bei mir mit dem Versuch, mir im Rücken das Becken auseinander zu reissen. Ich entschied erstmal ein Bad zu nehmen. Ich liebe baden und so gings ab in die Fluten. Es war wirklich entwas entspannender. Mein Mann hielt brav meine Hand und ich konzentrierte mich. Er beschwerte sich kurz, dass ich ja gar nicht stöhne oder schreie. Ich muss immernoch darüber lachen, wenn ich daran denke! Die Wehen wurden schlimmer und irgenwadnn bekamm ich den Drang zu pressen. Ich informierte die Hebamme, die dann nur meinte, dass das nicht sein könne, weil der Muttermund noch nicht weit genug offen wäre, ich solle das unterdrücken. Öh, das klappte so ca. 5 Minuten… Das Wasser wurde mir dann auch zu kalt, das nachgefüllte zu warm und so entschloss ich mich, umzuziehen.

Wir gingen einen Raum weiter. Mittlerweile durfte ich dem Pressdrang auch nachgeben, denn unten war alles bereit. Das war kurz nach Mitternacht. Ich hab mich für die klassiche Geburt auf dem Rücken mit Seil zum festhalten entschieden. Mein Mann versorgte mich vorbildlich mit Wasser, Assistenzärztin und Hebamme übernahmen den unteren Part. Ich hab einmal die Arztin angefaucht, weil die nicht auf die Wehe warten wollte. Ich kam mir auch irgendwann veralbert vor, weil nach jeder Wehe und unendlichem Pressen gesagt wurde, dass bei der nächsten Wehe der Kopf durch wäre, das aber nicht passierte. Aber man gibt ja nicht auf! Ganz so einfach muss es dann aber doch nicht gewesen sein, denn als die Herztöne der Püppi schlechter wurden, entschied man sich zu schneiden und die Kiwi anzusetzen. Für letzteres wurde die Oberärztin aus dem Schlaf gerissen. Ich bekam ein Schmerzmittel intravenös und dann ging es, im Gesamtpaket, endlich ganz schnell. Bitte entschuldigt diesen Vergleich, aber das war der erste Gedanke, als die Püppi raus war: so muss sich eine Kuh beim kalben fühlen. Um 0:49 Uhr war sie da, unser kleiner Sonnenschein. Sie hat sofort geschrien und sich bemerkbar gemacht. Ich wurde gefühlte Stunden verarztet. Der Schnitt muss einige Meter lang gewesen sein, da bin ich mir sicher! Aber das war nicht mehr schlimm, weil unser 2580g schwerer Winzling auf mir lag!

Für mich kam ein Wunschkaiserschnitt und eine PDA nie in Frage. Das ist mein erstes Kind und ich wollte die Erfahrung komplett mitnehmen. Ich hatte zum Glück eine recht schnelle Geburt. Es kann gut sein, dass ich mich für eine PDA entschieden hätte, wenn ich länger in den Wehen gelegen hätte. Das zehrt ganz schön an den Kräften. Und ich war gegen Ende auch wirklich am Ende! Dennoch bereuhe ich diese Entscheidung nicht und ich würde es immer wieder so versuchen. Eine Geburt ist kein Spaziergang und das soll sie auch nicht sein. Dennoch ist es für mich DAS Erlebnis meines Lebens. Und die Belohnung, die man für die Schmerzen bekommt, ist unendlich grösser!

Ach ja, die Folge Ghost Whisperer habe ich bis heute nicht zu ende geschaut!

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