Schilddrüse, dieses kleine Ding im Hals

Es ist momentan etwas ruhig hier. Das hat mehrere Gründe. Zum einen war ich letzte Woche zu Besuch bei meinen Eltern. So ein Blogeintrag braucht bei mir etwas Zeit (vor allem, wenn ich Fotos u.ä. einarbeite) und die will ich mir dann in Ruhe nehmen.

Zum anderen ging es mir die letzten Tage nicht so gut. Und das hat mich auf die Idee gebracht kurz über etwas zu schreiben.

Vor ca. 4 Jahren ging ich zur Routinekontrolle zum Arzt. Ich mag es nicht, zu Ärzten zu gehen. Ich versuche immer so lange auszuhalten, bis es nicht mehr geht. Aber hin und wieder muss das Blut kontrolliert werden und ich hatte da schon länger mit extremer Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Magenschmerzen und “Angstanfällen” (“hab ich nichts vergessen”, “hab ich dies und das getan”, “oh gott, wenn ich das nicht gemacht habe”… aber in extremer Form) zu tun, also war es mal wieder an der Zeit. Also hin und siehe da: meine Schilddrüsenwerte waren nicht da, wo sie sein sollten. Nach einem Termin beim Endokrinologen war die Diagnose da: Hashimoto Thyreoiditis.

Sagte mir erstmal nichts. Ich war ehr genervt davon, ab jetzt täglich eine Tablette nehmen zu müssen.

Wen es interessiert, auf Wikipedia ist es gut erklärt. Kurz und knapp: es ist eine Autoimmunerkrankung bei der der Körper die Schilddrüse als Fremdkörper sieht und diese versucht zu zerstören. Dies führt zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Ich musste seit dem alle paar Wochen zur Kontrolle, um richtig eingestellt zu werden. Dann bin ich umgezogen und brauchte hier einen neuen Arzt, weil ich ja auch das Rezept für meine Tabletten brauchte. Darauf hin folgte eine Ärzteodyssee…

Meine ersteHausärztin schien ganz kompetent zu sein. Die Einstellung kann etwas kniffelig sein. Sie gab mir Tips, was ich wie machen könnte und ich versuchte, mich an die meisten zu halten. Ich berichtete von unserem Kinderwunsch und sie gab das ok. Als ich die Bestätigung meiner Schwangerschaft von meiner Frauenärztin erhielt, teilte ich dies natürlich sofort meiner Hausärztin mit. Das hatte sie bei der nächsten Blutentnahme jedoch vergessen und somit entschied ich mich zu wechseln. Kurz darauf fand ich auf facebook eine Gruppe mit Gleichgesinnten. Nach etwas Recherche stellte ich fest, dass meine Blutwerte keineswegs ok für eine Schwangerschaft waren! Dass die Püppi hier heute neben mir sitzt – gesund – ist fast schon ein Wunder! Der zweite Arzt war irgendwie mehr daran interessiert, Ernährungsanalysen zu machen und zu erkennen, wo man was anders machen kann (ich erinnere mich an Sätze wie: “Sie trinken 7 Gläser Softdrinks pro Woche? Das ist ja schon etwas viel!” oder die ständige Diskusion, dass ich Fisch nicht mag) und von Blutwerten hatte er auch keine Ahnung. In der Gruppe las ich dann zum ersten mal, dass mit dieser Krankheit oft auch ein Vit D Mangel einher geht. Das ist allerdings keine Kassenleistung. Zu diesem Zeitpunkt war ich bei meinen Eltern zu Besuch. Meine Mutter hat auch mit der Schilddrüse zu tun. Ihr Arzt prüfte diesen Wert und siehe da: weit unter Norm! Nachdem bei meinem Hausarzt dann falsche Werte genommen wurden und zum wiederholten male das Rezept falsch ausgestellt wurde, hatte ich, ehrlich gesagt, auch keinen Nerv mehr, dort nochmal hinzugehen. Nach der Geburt meiner Püppi (inkl. Streit mit der Assistenzärztin, weil die der Meinung war, ich müsse unbedingt Jod nehmen für die Kleine, aber mir die Frage nicht beantworten konnte, was ich denn tun soll, weil es schädlich für mich ist) suchte ich mir über die Gruppe einen neuen Arzt. Auf Empfehlung einer Bekannten bekam ich schnell einen Termin bei einem Radoilogen hier in der Nähe. Und siehe da, er ist meine Erlösung! Er stellt zwar auch grenzwertig ein, aber ich habe das erste mal den Eindruck, dass dieser Mann weiss,was er tut! Ich bin bei weitem nicht an die schlechtesten Ärzte geraten, aber dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass ich dort gut aufgehoben war.

Ok, der Eintrag ist jetzt doch wieder länger geworden. Was ich eigentlich sagen will:

Im Vergleich zu damals geht es mir wirklich besser. Aber ich habe ab und zu Tage, wo es mir mental richtig schlecht geht. Ich nenne sie meine Depritage. Ich kann mich nicht aufraffen, zweifle alles an und fange immer wieder an zu weinen. Der Körper arbeitet nicht immer gleich und ich denke, dass an diesen Tagen die Dosis meiner Tabletten wohl nicht mehr passt (manche nennen es Schübe). Das vergeht wieder, ist aber trotzdem nervig.

Das Problem ist, obwohl das mittlerweile wirklich eine Massenkrankheit ist (meist bei Frauen), kennen sich kaum Ärzte (selbst Fachärzte, wie Endokrinologen) nicht aus. Es werden nicht alle wichtigen Werte bestimmt, man wird wieder weg geschickt mit Worten wie: “Depressionen kommen nicht von der Schilddrüse, gehen sie zum Psychologen!” “Nehmen sie erstmal ab, dann wird ihre Schilddrüse wieder besser!” “Sie bilden sich die Schmerzen nur ein!” Trotz der grossen Verbreitung ist diese Krankheit an den meisten Ärzten vorbei gegangen. Die Schilddüse untersuchen die wenigsten und wenn, dann können sie mit den Werten nichts anfangen.

Ich möchte mich an dieser Stelle an alle wenden, die ggf. ähnliche Probleme haben. Oder denen es schlecht geht und kein Arzt den Grund findet. Seid penetrant! Besteht auf eine Untersuchung der Schilddrüse! Lasst Euch die Werte geben! Es gibt gute Selbsthilfegruppen mit Autodidakten, die diese Werte deuten können! Sie geben euch keine Therapie und verschreiben keine Medikamente, aber sie können helfen, mit dieser Krankheit umzugehen und richtig eingestellt werden! Lasst Euch nicht zum Psychologen abschieben und Antdepressiva verschreiben! Es sind keine Götter in Weiss!

Falls es unter meinen Lesern jemanden gibt, der diese Krankheit auch hat, so würde ich mich freuen, wenn er/sie seine/ihre Erfahrungen mit mir teilt.

Schreibe einen Kommentar