Das bin ich

Auf dem Weg nach Hause kam mir der Gedanke, dass ich eigentlich etwas mehr über mich schreiben könnte. Ich habe den genauen Blick meines Mannes im Kopf, der sich denkt, warum ich das jetzt mache und nicht, als ich mit diesem Blog anfing. Aber logisches Denken und sinnvolles Handeln gehört nicht zu meinen Qualitäten.

12006319_1265755156783866_640721479593409504_nIch wurde 1979 im beschaulichen Schönebeck/Elbe geboren, bin also ein Kind des Ostens. Dort bin ich auch aufgewachsen, habe meine Sommer im elterlichen und grosselterlichen Garten verbracht, bin durch die Gemüsebeete gefegt, habe Schoten, Erdbeeren und alles, was ich leckeres zu essen finden konnte geklaut, in einer Zinnwanne gebadet und mein Indianerzelt auf der Wiese aufgebaut. Die Urlaube haben wir überwiegend auf dem Campingplatz verbracht. Ich bin dann mit meinem Vater ganz früh morgens immer Pilze sammeln gegangen, die meine Mutter nicht essen wollte, weil sie angst hatte, dass da ein giftiger hätte bei sein können.

11108835_1267148929977822_1730767344439766654_nMeine Grundschule war ca. 50m Luftlinie von unserer Wohnung entfernt. Seeehr praktisch! (der Kindergarten übrigens auch, der war direkt nebenan, aber daran habe ich kaum noch Erinnerungen). Bis zur Wende hatten wir regelmässig Fahnenapell und ich habe es immerhin noch zum Thälmannpionier geschafft. In der 6. Klasse bin ich dann aufs Gymnasium gewechselt. Da war Schule dann irgendwie nicht mehr so toll. Kann aber auch am Alter gelegen haben. Meine Noten waren durchwachsen, ich war einmal versetzungsgefährdet in Englisch (daraufhin verbannten mich meine Elter für 2 Wochen nach England) und einmal in Physik (da hatten meine Eltern keinen cleveren Plan). Aber ich habe jedesmal die Kurve gekriegt. Mein Abi habe ich ganz passabel bestanden, aber den Wunsch meiner damaligen Direktorin, etwas mit Chemie zu machen (ich frage mich bis heute, wie sie drauf kam, ich hatte Grundkurs mit mittelmässigen Noten), habe ich nicht erfüllt.

12011273_1268694736489908_6552433899329693165_nNach dem Abi stand ich da, ohne Plan, wie es weiter gehen sollte. Ich wollte studieren. Ich entschied mich für die Wirtschaft. Meine Eltern hatten damit beide viel zu tun, also war es für mich das sinnvollste. Ich studierte genau 4 Semester BWL/Internationales Management. Ohne Plan. Ohne Lust, es war einfach kacke. Nach 2 Jahren brach ich ab, weils einfach sinnlos war. Bis dato hatte ich 2 Jahre Fernbeziehung hinter mir. 400km zw. Schönebeck und Bochum. Ich bewarb mich um einen Ausbildungsplatz als Steuerfachangestellte, beichtete meinen Eltern, dass ich ausziehe (hey, ich war 20, aber meine Eltern fanden es trotzdem nicht toll) und fing in Bochum meine Ausbildung an.

Die Ausbildung zog ich durch. Mein Start ins Berufsleben war sehr holprig. Ich hatte alles dabei, von Mobbing, zu sinnloser Tätigkeit, bishin zu Pornos im Keller. Versackt bin ich dann bei einem Steuerberater in Essen. Dort war ich 7 Jahre. Da würde ich auch immernoch arbeiten, wenn ich nicht zu meinem heutigen Mann nach Aachen gezogen wäre. Wenn jemand im Ruhrgebiet einen Steuerberater sucht, dann sollte er unbedingt mal hier anrufen! Wir haben viel erlebt. Ich erinnere mich gerne an Freitage bis 22 Uhr zurück, weil Sachen fertig werden mussten. Mein Chef hat dann meist Pizza bestellt und den Partner beruhigt, der wütend zu Hause wartete. Hier habe ich meine besten Weihnachtsfeiern erlebt! Dort habe ich meine beste Freundin kennengelernt. Morgens und abends stand ich im Stau. Jeder der die A40 kennt weiss, was ich meine! Ich habe immer telefoniert, während ich im Stau stand, was soll man auch sonst in den 30-60 Minuten tun, in denen man die 15km zurück legt? Nebenher habe ich eine Zeit lang Airbrush Design an der IBKK Bochum studiert. Diese Zeit möchte ich auch nicht missen!! Kreativ war ich schon immer und ich habe wirklich viel gelernt. Leider hat mir die Arbeit einen Strich durch die Rechnung gemacht, sodass ich irgendwann nicht mehr mit kam und aufgehört habe.

Nach 13 Jahren ging meine damalige Beziehung zu ende und ich lernte meinen heutigen Mann kennen. Ich zog nach Duisburg, wo ich auch ein ganzes Jahr wohnte, bis ich dann nach Aachen zog. Immerhin wusste ich ja nicht, ob die Beziheung hält und ich hatte Job und Leben im Ruhrgebiet. Als es “ernster” wurde beschlossen wir zusammen zu ziehen und ich suchte mir einen Job in der freien Wirtschaft in Aachen. Wir zogen in das Haus der verstorbenen Grossmutter meines Mannes. Für mich ein Jackpot, für meinen Mann mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil er so ziemlich gegen alle Gräser allergisch ist und Gartenarbeit generell ablehnt, dafür aber Platz und Ruhe hat.

Letztes Jahr kam unsere Tochter.  Und ich bin angekommen. Alle Stationen meines Lebens habe ich nie bereut. Klar vermisse ich Freunde und Familie, aber ich habe hier auch Freunde und Familie gefunden. Ich bin auf die Zukunft espannt, wer weiss, was wir noch alles erleben werden?

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